Beitrag von Global Press, 24.02.2011, 13:57
Essgestörte tauschen sich per Internet aus
Menschen mit Essstörungen tauschen sich immer häufiger per Internet aus und fördern dadurch ihr gesundheitsschädliches Verhalten gegenseitig. Entsprechende Beobachtungen haben jetzt US-Wissenschaftler im Rahmen einer Studie gemacht.
Online finden sich zum Beispiel Magersüchtige zu kleinen “sozialen Netzwerken” zusammen. Sie stellen die Magersucht als bewusst gewählten Lebensstil und nicht als Erkrankung dar. Die Mitglieder der virtuellen Gemeinschaften versuchen, bestimmten Vorgaben treu zu bleiben. Es gibt gemäß den Experten der University of Cincinnati sogar einen “Beichtplatz”, wo die Magersüchtigen ihre “Schuld” mitteilen können, zu viel gegessen oder zu wenig Sport getrieben zu haben - und somit den Leitsätzen der Gruppe nicht treu gewesen zu sein. Darüber hinaus geben sich die Mitglieder der Online-Gruppen gegenseitig Diät-Tipps und Ratschläge für das Verhalten bei Konfrontationen mit Menschen, die nicht magersüchtig sind.
Ein weiterer bedenklicher Aspekt ist, dass sich die Teilnehmer dieser virtuellen Magersüchtigen-Treffen gegenseitig in ihrer Selbstverachtung bestärken. Normalerweise widersprechen viele Menschen in Online-Netzwerken Personen, die sich selbst schlecht machen. Sie versuchen vielmehr, die anderen aufzurichten sowie vom Gegenteil zu überzeugen. Doch in den Magersüchtigen-Gemeinschaften ist dies nicht zu beobachten.
Laut Stephen M. Haas, dem Hauptautor der Studie, sind die Betroffenen davon überzeugt, dass das Erreichen eines gewissen Mindestgewichts das Gefühl der Wertlosigkeit und die Empfindung, nicht begehrenswert zu sein, verschwinden lassen kann. Im Fachmagazin “New Media & Society” sind die Ergebnisse der Untersuchung nun veröffentlicht worden (http://dx.doi.org/10.1177/1461444810363910). (Gaby Schulemann-Maier/mp)
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