Beitrag von flaschenpost.ch, 25.11.2007, 14:15
Wein lagern?
Viele Laien glauben, dass alter Wein generell besser sei als junger und dass die Lagerung im Weinkeller nur förderlich, ja sogar Bedingung sei für hohe Qualität und optimalen Trunkgenuss. Das trifft aber nur für einen ganz kleinen Teil der Weine zu, die auf dem Weltmarkt erhältlich sind: vor allem für hochklassige (und entsprechend teure) Rotweine aus dem Bordeaux, dem Burgund. Oder für große Barolos, Barbarescos oder Brunellos aus Italien, Topweine aus Spanien oder der Neuen Welt, die durch ihren hohen Gehalt an Tanninen (Gerbstoffe), Säure, Alkohol, Frucht und Extrakt in der Jugend eher herb, verschlossen und unausgewogen wirken. Ihre volle Aromatik, Komplexität und Harmonie erlangen sie oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Auch ein exzellenter weisser Burgunder oder Bordeaux, beste Sauternes, Eisweine, Tokajier, Trockenbeerenauslesen oder Jahrgangschampagner gewinnen mit der Reife in der Flasche und im Keller dazu. Die allermeisten Weine aber sind trinkreif, wenn sie auf dem Markt erscheinen.
Doch sie werden nicht besser, wenn man sie jahrelang im Keller lagert. Im Gegenteil: ihre charakteristische Fruchtigkeit und Spritzigkeit kann gerade bei einfacheren Weißweinen, Roséweinen und Rotweinen rasch verloren gehen. Selbst extraktreiche tiefrote Weine wie Cabernet, Zinfandel oder Shiraz aus Australien oder Kalifornien sollte man in der Regel nicht länger als zwei bis fünf Jahre aufbewahren. Sie werden für den baldigen Konsum (trinkreif) produziert, zumal die meisten Leute in den Ländern der Neuen Welt keinen Weinkeller besitzen. Jeder etwas anspruchsvollere Wein sollte jedoch nach dem Kauf und Transport einige Tage (oder Wochen) ruhen, bevor man ihn trinkt.
Themen: E-Mail Abo | Wein
Tags: Alkohol | Säure | Tannin | Trinkreife | Weinlagerung
Wein
RSS 2.0