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literatur-und-buecher


Beitrag von Pia Helfferich, 30.11.2008, 19:35

Vorsicht beim „Fühlen“ und „Spüren“

Süddeutsche Zeitung - wer sie liest sieht mehr!

„Er fühlte sich einsam.“ „Sie spürte, dass etwas nicht stimmte.“ Wer bei der Überarbeitung seiner literarischen Texte auf „fühlen und „spüren“ stößt, tut gut daran, in seinem Hinterkopf eine heftig blinkende Warnlampe in Gang zu setzen. Diese Wörter zu verwenden heißt - nicht immer, aber in vielen Fällen – eine Abkürzung zum Leserverständnis zu nehmen, einen hässlichen Trampelpfad. Man knallt dem Leser eine Behauptung hin „Der fühlt sich einsam, das musst du mir glauben.“, literarisch ungleich wertvoller wäre es jedoch, dem Leser zu zeigen, wie die Figur sich fühlt, ihn selbst auf die Idee kommen zulassen, wie es der Figur geht. Hier ist die alte Regel „Show, don’t tell. Zeigen, nicht behaupten“ am Werk.

Was soll das, kann man fragen. Abgesehen davon, dass Leser eben tatsächlich lieber entdecken und mitdenken möchten, statt alles vorgekaut zu bekommen, hat das Zeigen noch einen unschätzbaren Vorteil. Auf diese Weise lassen sich Schattierungen und Abstufungen viel besser darstellen. „Er fühlte sich einsam.“ Na schön. Aber wie genau fühlt er sich? Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, einsam zu sein, wie ist das bei dieser Figur. Um das zu vermitteln, braucht man mehr als diesen plumpen Satz.

Ach so, das haben Sie alles nach diesem Satz ins Bild gesetzt? Dann streichen Sie denn Satz. Viele Menschen neigen dazu, als Auftakt eine Behauptung aufzustellen und diese anschließend fachgerecht aufzuarbeiten, zu zeigen. Dann versteht es der Leser auch ganz sicher. Daraus resultiert dann allerdings nur eine Verdopplung, die schlimmstenfalls dem Leser das Gefühl gibt, für ein bisschen doof gehalten zu werden.

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Tags: Überarbeitung | | behaupten | fühlen | Leserverständnis | schreiben | show don’t tell | spüren | zeigen | zeigen statt behaupten