Beitrag von dpa, 21.07.2008, 16:06
Vom Porzellanmaler zum Phantombildzeichner
Anton Asanger bemalte 24 Jahre Porzellan, bevor er sich dazu entschloss, etwas ganz anderes zu tun. Er begann, als Phantombildzeichner für das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) zu arbeiten.
Eine Vernunftentscheidung sei das gewesen, sagt er. Mit der Porzellanmalerei sei es mehr und mehr bergab gegangen. Eine geregelte Ausbildung oder einen typischen Werdegang gibt es bei den rund 120 Phantombildzeichnern in Deutschland nicht. Auch die Kollegen Asangers haben keine Phantombildzeichner-Lehre absolviert. Einer von ihnen hat früher als Personenschützer gearbeitet. Jährlich fertigen allein die fünf bayerischen Phantombildzeichner nach LKA-Angaben rund 120 Fahndungsbilder an. Angewiesen sind sie dabei auf möglichst konkrete Zeugenaussagen.
Einfühlungsvermögen und Feingefühl seien darum für den Beruf ebenso wichtig wie zeichnerisches Talent, sagt der zweifache Vater Asanger. «Wenn ein Zeuge dicht macht und ich nicht mehr an ihn herankomme, kann ich einpacken». Um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, stehen rund um den Computer, an dem die Zeichner mit den Zeugen arbeiten, Pflanzen, Plüschtiere für Kinder und Dosen mit Süßigkeiten.
Die Treffsicherheit von Asangers Phantombildern steht und fällt mit dem Erinnerungsvermögen der Zeugen. Dass jemand den Gesuchten auf Anhieb konkret und treffend beschreiben könne, gebe es selten, sagt der 44-Jährige. In der Regel erhalten Asanger und seine Kollegen nur vage Beschreibungen, die sie interpretieren müssen, um sich nach und nach an das gesuchte Gesicht heranzutasten. «Wenn der Zeuge sagt, die Person hatte einen unangenehmen Augenausdruck, weiß ich, dass seine Augen weit auseinander oder nah beisammen liegen», erklärt Asanger.
Wie lange an einem Phantombild gezeichnet werde, sei sehr unterschiedlich und könne zwischen 45 Minuten und drei Stunden dauern. Bei einem noch längeren Zeitraum lasse die Konzentration des Zeugen nach. Schritt für Schritt tastet Asanger sich bei seiner Arbeit vor. In der Regel beginnt er mit der Gesichtsform. Am Computer zeigt er dem Zeugen eine Grundauswahl. Nach der Gesichtsform bestimmt der Zeuge die Haarpartie, dann die Augenbrauen. Erst dann kommen die Augen. Obwohl die Augen am charakteristischsten seien, sei es nicht ratsam, mit ihnen zu beginnen. «Da kommen die meisten ins Schleudern», begründet Asanger.
Ideal sei es, verschiedene Zeugen zu haben, da Männer, Frauen und Kinder jeweils unterschiedlich beobachten. Während sich Frauen vor allem Augen, Mund und Frisuren merken, bleibe bei Männern das Gesamtgesicht besser in Erinnerung. Kinder hingegen könnten sich Details besser merken, stellten Asanger und seine Kollegen fest. Dafür verschätzten sie sich häufig mit Größen- und Altersangaben: Aus einem 50-jährigen Mann werde dann schnell mal ein 70-jähriger Rentner.
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