Beitrag von Sigrid Ruth Stephenson, 07.01.2008, 10:42
Viktor Frankl zeigt Wege aus dem Perfektionismus - der Angst ins Gesicht lachen
Wer alles richtig machen will, ist arm dran. Bedenken Sie: Wir sind keine überzüchteten Rennpferde sondern Menschen, ständig unterwegs auf dem Fluss des Lebens.
Auf dieser immer währenden Reise sind Sie Gefühlen ausgesetzt, Wettereinflüssen, Stimmungen, Ihrer biologisch bedingten Tagesform, von außen aufgedrückten Umständen, Begegnungen. Sie machen Fehler, schätzen etwas falsch ein, vergessen Details oder Sie sind einfach lustlos. All das macht Sie sympathisch menschlich. Sie müssen nur lernen, Ihre Einschränkunen zuzugeben - vor allem sich selbst gegenüber. So vermeiden Sie gefährliches Burnout.
Dazu gilt es, zunächst einen starken Gegner in die Schranken zu weisen: Ihre Angst. Wie oft haben Sie gute Ideen nicht umgesetzt, weil sie es schrecklich fänden, sich damit zu blamieren? Der Neurologe und Psychiater Viktor Frankl (1905 – 1997) hat einen berühmten Satz geprägt: “Lache deiner Angst ins Gesicht.” Die Angst, nicht gut genug zu sein, gehört dazu.
Gäbe es nur Perfektionisten auf der Welt (und es gibt ohnehin genug und immer mehr davon), käme die menschliche Entwicklung zum Stillstand. Ohne try and error, Versuch und Irrtum, geht es nicht. Überlegen Sie: Ist es wirklich realistisch, dass die meisten anderen Menschen alles richtig machen, nur Sie nicht?
Üben Sie sich darin, Fehler einzugestehen. Vielleicht zunächst im geschützten Rahmen - Ihrem Partner, Ihren Kindern gegenüber. Geben Sie zu, sich geirrt zu haben oder etwas nicht zu können. Nehmen Sie Hilfe an oder bitten Sie darum. Versuchen Sie es dann bei der netten Kollegin, schließlich sogar bei Ihrem Chef oder Menschen, denen Sie zufällig begegnen. Man wird Sie mögen, gerade weil sie nicht makellos sind und ganz locker dazu stehen.
Übermenschen hingegen weht der Wind heftig um die Nase. Der Grund: Mit ihrem Anspruchsdenken üben sie nicht nur Druck auf sich selbst, sondern auch auf andere aus. Wenn Sie selbst weniger perfekt sind, werden sich auch die Menschen um sie herum entlastet fühlen. Das Miteinander entspannt sich.
Selbst viel gerühmte Zeitgenossen sind nur in einem eng umgrenzten Bereich wirklich gut. Sie leisten damit ihren Beitrag zum großen Ganzen. Das sollte genügen – auch für Sie.
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