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lernen


Beitrag von Kurt Uehlinger, 08.10.2008, 16:32

Unsere Weltoffenheit überprüfen

Sind wir tatsächlich offen gegenüber Neuem, gegenüber Fremden, gegenüber der Welt überhaupt? Können wir das Unbekannte vorurteilslos prüfen, ohne Einfluss von inneren oder äußeren Einflüssen? Kaum jemand kann diese Fragen ohne Einschränkung mit Ja beantworten. Aber man kann sich darin üben. Das erhöht die Lernfähigkeit und fördert das unabhängige Denken.

Wenn wir die Welt betrachten mit den unzähligen Objekten, so pflegen wir die Gewohnheit, sie zu beurteilen und zu klassieren. Wir befinden etwas als schön, als hässlich, als gut oder schlecht. Unzählige Attribute stehen zur Verfügung, um unsere Ansicht über alles, was uns begegnet, auszusprechen. In der gleichen Art und Weise urteilen wir über Menschen. Wir charakterisieren sie als unsicher, grob, fahrlässig oder liebenswürdig. Andere sind stur, rechthaberisch oder großzügig. Unser Urteil ist schnell und kompromisslos.

Dieses Verhalten, die Dinge zu beurteilen, ist derart verbreitet, dass wir uns kaum einmal Gedanken machen, dass wir immer Teil der Situation sind. Ein Objekt ist nicht schön oder hässlich an sich, sondern wirkt auf uns in dieser Art. Die Welt hat keine Eigenschaften, wir geben sie ihr. Letztlich könnte man sagen, das käme auf dasselbe heraus, ob etwas schön ist oder wir es als schön empfinden. Wenn wir aber mit Menschen umgehen, wird dieser Unterschied wesentlich, weil eine gegenseitige Beeinflussung stattfindet. Mein Gesprächspartner ist nicht rechthaberisch an sich, sondern gegenüber mir in einer bestimmten Sache. Allein für sich kann er seine Eigenschaften nicht ausdrücken, sondern nur in der Begegnung mit jemand anderem. Was zwischen den Menschen geschieht, ist entscheidend. Darauf haben beide Einfluss.

Da wir andere Menschen nicht ändern können, liegt die Chance der Veränderung in uns. Es ist die Art wie wir andere behandeln und wie wir auf sie reagieren. Jeder Mensch trägt alle Eigenschaften in sich, denn das Gute bedingt auch das Böse. Sind wir nicht empfänglich für Schönheiten, für gute Eigenschaften der Menschen, so erkennen wir sie nicht. Sie sind für uns nicht existent. Wenn wir gewissen Menschen und Nationen misstrauen, so erkennen wir die bessere Seite nicht. Wir finden keinen Zugang zu ihnen.

Der Lernvorgang, die Dinge vorurteilslos zu prüfen, liegt darin, sein Urteil zurückzustellen und sich bewusst auf guten Empfang einzustellen. Dadurch geben wir anderen die Chance, sich von der besten Seite zu zeigen. Jedes Misstrauen in uns, jede Verdächtigung, jede Suche nach dem Haar in der Suppe engt uns ein. Beobachten Sie sich in Ihrem Urteil und versuchen Sie es zurück zu stellen. Sie erschliessen sich dadurch eine neue Welt. Und Sie lernen, die Ereignisse ohne Vorurteile richtig einzuschätzen.

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