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Beitrag von eload24, 07.10.2008, 16:04

Richtig gute Fotos machen: Wie die Kamera „sieht“

Auszug aus dem eBook 'Richtig gute Fotos machen: Wie die Kamera „sieht“'

Mal angenommen, Sie sind am Meer, in den Bergen oder in einer geradezu hinreißenden Flusslandschaft und ein gnädiges Schicksal beschert Ihnen einen super Sonnenuntergang (oder einen nicht minder spektakulären Sonnenaufgang – das liegt letztlich an Ihrem Lebenswandel). Wenn Sie nun einfach die Kamera zücken, draufhalten und abdrücken, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn das Ergebnis eher flach und dürftig aussieht. Mit etwas Glück erkennen Sie auf dem Bild einen großen überbelichteten Flecken, der die Sonne darstellt. Am oberen Bildrand bleibt ein blauer Streifen Himmel übrig, am unteren Bildrand ein schwarzer Streifen Erde. Und das war’s dann auch.

Was ist schiefgelaufen? Eigentlich ganz einfach: Das Bild des Sonnenuntergangs, das Sie gesehen haben, ist nun mal nicht dasselbe Bild, das die Kamera sieht. Das Bild, das Sie sehen, entsteht in Ihrem Kopf, das Bild, das die Kamera sieht, entsteht durch die praktische Anwendung der physikalischen Gesetze der Optik. Und dazwischen liegt ein verdammt großer Unterschied.

Wie kommt dieser Unterschied nun zustande? Schließlich bekommt unser Auge exakt dieselben Lichtstrahlen serviert wie das Objektiv unserer Kamera. Allerdings entstehen die Bilder, die wir sehen, nicht im Auge, sondern wie gesagt im Hirn. Und hier ist gewissermaßen ein komplettes Fotolabor eingebaut, das zudem vollautomatisch arbeitet. Noch ehe wir das Krabbeln und das Sprechen lernen, lernen wir zu hören und zu sehen. Frischgebackene Eltern können diese Lernphasen beobachten, noch ehe sie den ersten Geburtstag ihres Sprösslings feiern.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Ein weißes Blatt Papier wird von uns am frühen Morgen, am hellen Mittag, während eines bluttriefenden Sonnenuntergangs oder in tiefer Nacht bei Kerzenschein stets als ein weißes Blatt Papier erkannt: Unser Hirn sorgt für einen automatischen Weißabgleich. Lediglich extreme Beleuchtungssituationen – beispielsweise intensiv gefärbtes Licht oder das sogenannte Schwarzlicht – können uns in diesem Fall aufs Glatteis führen, weil Eltern ihre Kinder normalerweise nur ungern derartigen Extremsituationen aussetzen und wir folglich nicht gelernt haben, sie entsprechend zu interpretieren. Um denselben Effekt in der digitalen Fotografie zu erzielen, waren enorm aufwendige Programmiervorgänge nötig – und selbst die funktionieren nicht immer zuverlässig. Nebenbei gesagt: In der chemischen Fotografie war der Weißabgleich noch deutlich schwieriger und erforderte nicht zuletzt besonderes Filmmaterial und gefärbte Filter.

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Tags: digital | Digitalkamera | Ebook-00347 | fotografieren | Hobbyfotograf | Kamera | Richtig gute Fotos machen | Weißabgleich