Beitrag von Global Press, 14.03.2008, 17:35
Plastikweichmacher gesundheitsschädlicher als bislang angenommen?
Gesundheitsschädlicher als bislang angenommen könnte der Weichmacher Bisphenol A (BPA) sein. BPA ist ein Hauptbestandteil von Plastik und eine hormonell wirksame Chemikalie. Es befindet sich unter anderem in Lebensmittelfolien, der Innenbeschichtung von Konservendosen und in Babyflaschen; auch in einigen Zahnfüllungen wird es verwendet. Nach einem Bericht der Zeitschrift “Geo” haben Versuche einer US-amerikanischen Studie ergeben, dass der Weichmacher bei männlichen Tieren eine verringerte Spermienproduktion und bei weiblichen eine verfrüht einsetzende Geschlechtsreife verursacht.
Außerdem steht die chemische Substanz im Verdacht, auch beim Menschen das Fortpflanzungs- und Hormonsystem des Körpers zu beeinflussen, Krebs auszulösen und die Gehirnentwicklung von Kindern und Ungeborenen zu schädigen. Zudem ist die BPA-Belastung offenbar größer als bislang angenommen: Wissenschaftler der staatlichen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention in den USA haben Urinproben von 2 500 repräsentativ ausgewählten Personen untersucht und fanden bei 92 Prozent der Proben messbare Mengen von BPA. Die Konzentration war “substanziell höher als jene, die in Tierversuchen bereits zu Krankheiten und Geburtsschäden geführt hatte”.
Derweil stehen die Chancen für eine BPA-Reduktion schlecht, denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im vergangenen Jahr die Grenzwerte für die BPA-Aufnahme von täglich zehn auf 50 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht heraufgesetzt. Säuglinge nehmen derzeit durchschnittlich 13 Mikrogramm der Chemikalie pro Kilogramm auf - knapp ein Drittel mehr als nach dem früheren Grenzwert zulässig. Eltern, die bei Produkten für ihre Kinder lieber auf BPA verzichten möchten, können beispielsweise auf Babyflaschen aus Glas, Nylon oder Polypropylen ausweichen. Unter dem Gütesiegel “B free” werden im Handel außerdem Trinkflaschen aus Polyethersulfon angeboten. Dieser Stoff wurde bislang allerdings seltener wissenschaftlich untersucht als BPA. (Silke Koppers/mp)
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