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Software


Beitrag von Mirko Müller, 17.09.2008, 14:14

Online-Programme und -Anwendungen aus dem Internet – Kommt Software bald nur noch aus dem Web?

Programme sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Vor dem Internetzeitalter gab es Programme nur auf Datenträgern wie CDs oder Disketten und mussten zuerst auf dem Computer installiert werden. Ohne Installationsprogramm ging es nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Mittlerweile reicht ein Internetzugang, um online Briefe zu schreiben oder Bilder zu bearbeiten - ganz ohne Installation auf dem eigenen Rechner. Das hat Vor- und Nachteile.

So funktionieren Online-Programme

Im Internet gibt es viele Anwendungen als reine Online-Programme. Das heißt: Das Programm wird nicht auf Ihrem Computer installiert, sondern läuft vollständig im Fenster des Internet Explorers. Das eigentliche Programm - etwa die Textverarbeitung – läuft auf den Internet-Computern des Programmanbieters, das Textprogramm von Google beispielsweise auf den Google-Computern. Bedient wird das Onlineprogramm ausschließlich über den Browser, etwa den Internet Explorer. Sie schreiben, gestalten und korrigieren ihre Texte online im Browserfenster.

Es geht sogar noch weiter: Nicht nur das Hauptprogramm läuft im Internet, auch die damit erzeugten Daten – Briefe, Tabellen, Fotos – werden im Internet gespeichert. Die mit Google Text und Tabelle geschriebene Einladung liegt dann nicht mehr auf der lokalen Festplatte Ihres Rechners, sondern in Ihrem persönlichen Datenbereich von Google, irgendwo auf einem der tausenden Google-Computer weltweit.

Vorteil der Online-Programme

Online-Programme bedeuten in der Praxis: Der eigene Rechner dient nur noch als Fernsteuerung für das Online-Programme. Dokumente werden zwar über den Internet Explorer erstellt, alle Rechenaufgaben wie das Berechnen von Formeln oder Effekten bei Fotos erfolgen nicht mehr auf dem eigenen Computer, sondern den Computern des Onlineanbieters. Wer Online-Programme nutzt, kann daher von folgenden Vorteilen profitieren:

- Keine Installation und Wartung
Um das Online-Programm zu nutzen, ist keine Installation notwendig. Ein Internetzugang und der Internet Explorer genügen. Auch die Wartung, das Aktualisieren der Programmkomponenten entfällt.

- Auch für langsame Rechner
Die Geschwindigkeit des eigenen Rechners spielt keine Rolle, da das eigentliche Programm nicht auf dem eignen PC, sondern den Computern des Anbieters ausgeführt und nur über den eigenen Rechner ferngesteuert wird. Selbst auf alten und langsamen Computer ist ein zügiges Arbeiten möglich.

- Gleichzeitiges Bearbeiten
Bei vielen Online-Programmen können mehrere Leute gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

- Überall nutzbar
Da Online-Programme über das Internet bedient werden, sind sie von überall aus nutzbar, etwa im Hotel, Internet-Café, Restaurant, Zug oder in der Flughafen-Lounge – ein schneller Internetzugang genügt.

- Mit jedem Betriebssystem nutzbar
Das Internet ist nicht fest an ein Betriebssystem wie Windows, Linux oder Mac gebunden. Die Online-Programme funktionieren daher auf allen gängigen Computersystemen.

- Automatische Sicherheitskopien
Fällt die Festplatte des eigenen Rechners aus, kommt es zu keinem Datenverlust. Die Daten liegen weiterhin auf den Festplatten des Programmanbieters.

- Meist kostenlos
Textverarbeitung, Weltatlas oder Bildbearbeitung: zurzeit gibt es fast alle Online-Programme kostenlos. Vermutlich wird es in Zukunft aber auch kostenpflichtige Varianten oder Erweiterungen geben. Programme oder Programmteile werden dann nicht komplett gekauft, sondern gemietet.

Die Nachteile

Dass sich Programme komplett über das Internet bedienen lassen, hat nicht nur Vorteile. Kritiker bemängeln folgende Nachteile:

- Schnelle Internetverbindung mit Flatrate notwendig
Zwar spielt das Arbeitstempo des eigenen Computers bei Online-Programmen keine Rolle, dafür aber die Geschwindigkeit der Internetverbindung. Da alle Arbeitsschritte über das Internet erfolgen, benötigen Sie für Online-Programme eine schnelle Verbindung, mindestens DSL 2000. Sinnvoll ist zudem eine Flatrate (Monatspauschale), bei der keine zusätzlichen Kosten für die Internetnutzung entstehen.

- Langsamer als „echte“ Programme
Auch bei einer schnellen DSL-Verbindung dauert das Bearbeiten von Online-Dokumenten länger als mit „echten“ Programmen für den eigenen Rechner. Die Internetverbindung wirkt wie ein Flaschenhals, durch den sämtliche Daten vom und zum Online-Programm geschickt werden müssen. Wer ein Bild bearbeiten möchte, muss es zum Beispiel zuerst auf die Computer des Anbieters hochladen. Das kann je nach Dateigröße und Internetanbindung mehrere Minuten dauern.

- Datensicherheit
Datenschützer kritisieren die mangelnde Datensicherheit bei Online-Programmen. Alle online erstellen Dokumente wie Texte, Tabellen oder Fotos liegen nicht auf der lokalen Festplatten, sondern den Festplatten des Online-Anbieters. Das ist notwendig, damit sie online bearbeitet werden können. Im Dunkeln bleibt jedoch, wer auf die online gespeicherten Daten Zugriff hat. Zwar beteuern die Anbieter, alle Daten nur verschlüsselt und zugangsgeschützt zu speichern, doch niemand kann garantieren, dass nicht doch Unbefugte Zugriff auf die Online-Daten haben. Sensible Informationen wie Geschäftsberichte, intime Fotos oder persönliche Briefe sollten daher besser nicht mit Online-Programmen erstellt werden.

- Datenzugriff nur übers Internet
Online bedeutet auch: Wenn der Internetzugang nicht funktioniert, sind die online gespeicherten Daten nicht erreichbar.

- Eingeschränkter Funktionsumfang
Online-Programme bieten noch nicht den Funktionsumfang und Komfort wie klassische PC-Programme. Die Betonung liegt auch „noch“, denn die Internetsoftware entwickelt sich stetig weiter. Fast wöchentlich kommen bei den bereits bestehenden Anwendungen neue Funktionen hinzu.

Die besten Online-Programme

Online-Programme sind keine Zukunftsmusik; sie sind bereits heute Realität und werden weltweit millionenfach genutzt. Zu den beliebtesten Internet-Anwendungen gehören folgende Programme:

- Google Text und Tabellen
Das bekannteste Online-Programm ist Google Text und Tabellen. Damit lassen sich komfortabel Texte erstellen und bearbeiten, Tabellen durchrechnen oder Präsentationen erstellen.

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Eine Tabelle online im Fenster des Internet Explorers berechnen? Mit Internet-Programmen wie Google Text und Tabellen kein Problem.

- Google Earth
Wer im Weltatlas stöbern oder eine Reise planen möchte, kann das mit Google Earth
(Google Erde) online erledigen. Zwar muss hier noch ein Stück Software installiert werden – alle Daten wie Landkarten und Stadtpläne kommen jedoch „live“ aus dem Internet.

- Adobe Photoshop Express
Unter http://www.photoshop.com/express kann jeder Fotos hochladen, online bearbeiten und im Internet veröffentlichen. Zwei GByte Speicherplatz stellt der Hersteller jedem Benutzer kostenlos zur Verfügung. Die Fotos lassen sich schnell und bequem beschneiden, bei Bedarf lassen sich auch Belichtung und Farben des Bildes anpassen. Die Aufnahmen können nachträglich geschärft oder über einen Soft-Focus weicher gemacht werden. Eine große Stärke von Photoshop Express sind die vielen Filter und Effekte. Damit können Sie hochgeladene Fotos zum Beispiel auf Knopfdruck in Schwarzweißbilder oder Zeichnungen umwandeln. Trickeffekte zaubern aus Porträtfotos mit wenigen Mausklicks witzige Spaßbilder.

- Online-Sicherheitskopien
Auch Sicherheitskopien eigener Daten lassen sich online anlegen. Bei Anbietern wie Gigabank
werden die Daten sicher in einem Schweizer Rechenzentrum gespeichert. Die Dokumente werden über das Internet von der eigenen Festplatte auf die Online-Festplatten gespeichert. Ein Gigabyte Speicherplatz gibt es hier kostenlos, 4 GB kosten für fünf Jahre rund 30 Euro.

- Online-Spiele
Besonders beliebt sind Online-Spiele, die ausschließlich im Internet funktionieren. Bei Rollenspielen wie World of Warcraft oder Age of Conan spielen Sie über das Internet mit oder gegen tausende Spieler weltweit.

Und wie sieht es in Zukunft aus, wird es bald nur noch Internet-Programme geben? Online-Anwendungen werden klassische Software nicht verdrängen, sondern ergänzen. Auch zukünftig wird Software auf klassischen Datenträger wie CD, DVD oder Blu-ray ausgeliefert und wie gewohnt auf dem eigenen Computer installiert. Der Trend zu Online-Software ist aber nicht mehr aufzuhalten. Es ist jedoch abzusehen, dass Online-Programme nicht immer kostenlos zu haben sind. Die Grundfunktionen gibt es zwar noch gratis, für Extras wie spezielle Filter, Funktionen oder Effekte muss aber gezahlt werden.

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Themen: E-Mail Abo | Software
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