home   über uns   kontakt   impressum   login   registrieren

Literatur und Bücher


Beitrag von Pia Helfferich, 01.11.2007, 11:08

Nicolas Fargues besingt den Ehebruch

Wenn man gerade seine Frau betrogen und verlassen hat, wird das Lesen zum Problem, denn in den meisten Büchern findet man sich als mieser Betrüger, Ehebrecher, Antiheld wieder. Wer das nicht länger erträgt, kann zu „Nicht so schlimm“, dem Roman von Nicolas Fargues greifen. Der Erzähler berichtet von den Monaten, in denen er unter der Beziehung zu seiner Frau Alexandrine litt, wie er die Italienerin Alice kennenlernte und sich quälend langsam traute, seine Frau zu verlassen.

Der Ich-Erzähler und Alexandrine, beide Anfang dreißig und seit zehn Jahren verheiratet, leben mit ihren beiden Kindern, die interessanterweise nicht mal namentlich vorgestellt werden, in einer kleinen Stadt in Afrika. Das Ehepaar macht sich gegenseitig das Leben zur Hölle; Hass, Gewalt (sie prügelt ihren Mann), und Vorwürfe sind an der Tagesordnung, trennen können sie sich aber trotzdem nicht. Da wird um Vertrauen und Verzeihung gebettelt, obwohl man selbst nicht dazu bereit ist. Auf einer Reise nach Italien lernt der Erzähler schließlich Alice kennen, mit der das Leben so einfach ist.

Fargues lässt all das seinen Erzähler einem unsichtbar bleibenden Gegenüber berichten, an den er sich auch hin und wieder direkt wendet. „Vielleicht hörst du mir nur aus Höflichkeit zu und langweilst dich entsetzlich, und kannst du mit dem, was ich erzähle, denn wirklich etwas anfangen, obwohl das Ganze eigentlich nicht dein Problem ist?“ Tja, lieber Erzähler, das mit dem Langweilen ist so eine Sache. Die altbekannten Versatzstücke des Ehebruchs, einschließlich der versehentlich an die falsche Frau gesendete SMS, sind nicht gerade originell, und auch die weinerliche Haltung des Erzählers stößt phasenweise ab. Liest man den Roman jedoch als eine Studie der Liebesunfähigkeit, gewinnt er an Kontur. Aus dieser Perspektive wird das Geplapper des Protagonisten zu einer geschickt arrangierten Selbstentblößung, und der Verdacht keimt auf, dass er auch mit Alice nicht lange glücklich sein wird. Somit ist das Buch schließlich sogar für die Betrogenen und Verlassenen interessant.

Nicolas Fargues: Nicht so schlimm. Rowohlt 2007.

(0) Kommentare | Permalink | Newsletter abonnieren
Themen: E-Mail Abo | Literatur und Bücher | Von A-Z
Tags: Afrika | Betrug | Ehebruch | Erzähler | Frankreich | Geliebte | Gewalt | Italien | Nicht so schlimm | Nicolas Fargues | Roman | Scheidung



Verivox - Strom- und Gaspreise vergleichen