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Gesundheit und Medizin


Beitrag von Global Press, 25.11.2010, 14:21

Nicht nur der Bewegungsapparat braucht Vitamin D

Vitamin D, essenziell für den Organismus, sei in jüngster Zeit in Deutschland glücklicherweise stärker zum Thema geworden, sagte Prof. Dr. Armin Zittermann bei einem Parlamentarischen Dinner in Berlin, zu dem die DSM Nutritional Products, Lieferant von Vitaminen, Carotinoiden und anderen Feinchemikalien, geladen hatte. Zittermann, Leiter der Studienzentrale der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie des Herz- und Diabeteszentrums NRW: “Vor 100 Jahren war Rachitis ein großes Problem. Aber es gibt immer mehr Hinweise, dass nicht nur der Bewegungsapparat betroffen ist. Es gibt Rezeptoren an praktisch allen Organen.” Die Liste der möglichen Folgen, die durch einen chronischen Vitamin D-Mangel ausgelöst werden könnten, sei lang - von Herz- und Niereninsuffizienz über erhöhte Disposition für Diabetes Typ 1, Osteoporose und Muskelschwäche bis zur Hypertonie.

Die wichtigste Quelle für die Bildung von Vitamin D im Körper ist die UV-Strahlung, angesichts sonnenarmer Jahreszeiten, der Witterung oder auch der Hautpigmentierung, Zittermann zufolge eine “sehr unsichere Quelle”. Vitamin D könne zwar auch über die Nahrung aufgenommen werden, doch sei das Angebot gering - im Wesentlichen stünden nur drei fettreiche Fischarten - Aal, Lachs, Hering - zur Verfügung. Aufgrund der heute üblichen Rachitis-Prophylaxe wiesen Ein- bis Zweijährige noch einen guten Vitamin D-Spiegel auf, werde die Supplementierung eingestellt, sinke der Spiegel. Eine Untersuchung von Patienten in 254 Hausarztpraxen deutschlandweit habe bei über 40 Prozent der 75 Jahre oder älteren Patienten einen ausgeprägten Mangel festgestellt. Und so sieht Zittermann Senioren ebenso als Risikogruppe wie Jugendliche und Schwangere, aber auch Migranten.

“Zunehmend wird bekannt, dass Vitamin D bei verschiedenen Erkrankungen eine Rolle spielt”, sagte Zittermann. Er verwies auf eine Studie, nach der durch Vitamin D-Prophylaxe in Deutschland eine maximale Kosteneinsparung von rund 37,5 Milliarden Euro möglich wäre. “Wenn nur ein Zehntel davon realisiert würden, wäre das schon ein hoher Betrag.”

Für Experten aus Ernährungswissenschaft, Geriatrie oder Jugendmedizin bietet Vitamin D reichlich Gesprächsstoff. So wird diskutiert, ob die gegenwärtig in Deutschland empfohlene Tagesdosis überhaupt ausreicht. Ein Diskutant schätzte sie als “fast homöopathisch” ein. In den USA würden die Empfehlungen derzeit überarbeitet. Wenn die empfohlene Tageszufuhr in den USA erhöht würde, werde dies wahrscheinlich die Diskussion auch in Deutschland vorantreiben. Diskutiert wird auch darüber, ob die Anreicherung bestimmter Lebensmittel möglich und sinnvoll wäre. In den USA beispielsweise werde Milch mit Vitamin D angereichert, hieß es. Und die Jodierung von Speisesalz sei hinsichtlich der Prävention erfolgreich und sorge auch für eine Kostensenkung.

Auch die Politik nimmt sich des Themas an. In einer Video-Botschaft verwies Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, auf eine Studie, nach der bei 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen latenter Vitamin D-Mangel festgestellt worden sei. Knochenschwund, Stürze, Brüche seien die Folge. “Aber Vitamin D ist nicht nur im Bereich Knochenstoffwechsel bedeutsam.” Mit 1,4 Millionen Euro fördere das BMBF ein Forschungsprojekt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zur Rolle von Vitamin D auf das Herz-Kreislauf-System und zur Entwicklung von Strategien für Nahrungsmittel, um die Versorgung der Bevölkerung mit diesem wichtigen Stoff zu sichern.  (Helga Bodenstab/mp)

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