Beitrag von Karin Mager, 22.02.2008, 19:53
Konflikte ansprechen ohne Vorwurf und Abwertung
Eine sehr große Herausforderung für die meisten von uns ist es, etwas anzusprechen, was uns stört, und dabei einigermaßen gelassen zu bleiben. Nehmen wir mal an, Ihre Partnerin oder Ihr Partner tut nicht, was sie erwarten. In solchen Momenten empfinden wir meist Ungeduld und Ärger, wenn nicht sogar Wut. Wir sehen in diesem Moment vor allem unser unbefriedigtes Bedürfnis und die andere Person sehen wir als die Verursacherin unseres Ärgers. Das klingt dann so:
“Bist du denn immer noch nicht fertig? Du schaffst es einfach nicht, pünktlich zu sein!”
“Du kümmerst dich aber auch um gar nichts! Immer muss ich an alles denken!”
“Weißt du eigentlich, dass hier die Hölle los ist! Ich fühle mich von dir total im Stich gelassen!”
Das Problem dabei: Wir werten den anderen ab und hoffen damit die Aufmerksamkeit des anderen zu erreichen. Das Gegenteil ist der Fall.
Konfliktgespräche mit Beschuldigungen und Abwertungen zu beginnen, ist vergleichbar mit dem Versuch, offenes Feuer mit Benzin zu löschen:
Der Streit wird erst richtig entfacht. Auf diese Weise unseren Ärger auszudrücken ist sehr bequem. Wir müssen nicht lange Nachdenken, sondern schieben unserer Partnerin oder unserem Partner den Schwarzen Peter zu. Damit verteidigen wir zwar unser Selbstwertgefühl, doch auf Kosten des Selbstwertgefühls des anderen. Ein destruktiver Schlagabtausch ist die Folge.
Es gibt einen erfolgversprechenderen Weg: Wir gewinnen die Aufmerksamkeit der anderen Person viel leichter, wenn wir nicht über sie und ihr vermeintliches Fehlverhalten - sogenannte Du-Botschaften - sprechen, sondern über uns und unsere Bedürfnisse, über unsere Gedanken (auf uns selbst bezogen), Gefühle und Wünsche, also in Ich-Aussagen.
Beispiele:
Du-Botschaft: “Bist du denn immer noch nicht fertig? Du schaffst es einfach nicht, pünktlich zu sein!”
Ich-Aussage: “Ich bin schon ganz ungeduldig, weil ich gern pünktlich sein möchte. Ich möchte gern spätestens um sieben losfahren.”
Du-Botschaft: “Du kümmerst dich auch um gar nichts! Immer muss ich an alles denken!”
Ich-Aussage: “Ich möchte gerne, dass wir gemeinsam überlegen, was wir für die Reise noch mitnehmen müssen.”
Du-Botschaft: “Weißt du eigentlich, dass hier die Hölle los ist! Ich fühle mich von dir total im Stich gelassen!”
Ich-Aussage: “Ich warte schon sehr darauf, dass du kommst. Hier ist Land unter. Ich weiß schon nicht mehr, wo mir der Kopf steht und brauche deine Hilfe.”
Durch Ich-Aussagen lenken wir die Aufmerksamkeit in dem Konfliktgespräch auf das, was uns wichtig ist. Das kann unser Partner ohne Widerstand hören, denn er wird nicht angegriffen.
Fazit:
Menschen hören viel bereitwilliger zu, wenn wir sie nicht beschuldigen und abwerten, sondern wenn wir ihnen sagen, was wir uns wünschen, welche Gefühle wir empfinden. Und – vor allem – womit sie uns glücklich machen können.
Probieren Sie es einmal aus, in Konfliktsituationen Ihre Du-Botschaften in Ich-Aussagen zu übersetzen.
Dabei gibt es allerdings einige Fallstricke zu beachten. Lesen Sie weiter in Ausdrücken von Gefühlen: Der Ich-fühle-mich-Irrtum
Themen: E-Mail Abo | Kommunikation
|
Partnerschaft
Tags: Faire Kommunikation | Konflikte | Konflikte lösen | Konfliktmanagement | Paarkommunikation | Partnerschaft | Streiten
Kommunikation
RSS 2.0