Beitrag von Rainer Bartel, 03.12.2007, 16:47
Fiffi platzen lassen
Geradezu überlebenswichtig für den Köter, der in der Stadt leben muss, ist der Befehl “Platz!”. Profis sagen, der Hund soll sich ablegen. Bei einem optimal ausgebildeten Hasso passiert folgendes, wenn Chef “Platz!” brüllt: Das Tierchen hält wie vom Blitz getroffen in vollem Lauf inne und legt sich dergestalt nieder, dass der Bauch den Boden berührt und die Vorderbeine ausgestreckt sind. Das ist praktisch, wenn ein Weiterlaufen die Kollision mit einem Radfahrer oder sonstigem Verkehrsteilnehmer zur Folge hätte. Platz ist aber auch die ultimative Ruheposition, die man den besten Freund annehmen lassen kann, wenn sein Rumgewusel die Anwesenden nervt. Die Lernmethode ist diesselbe wie beim Sitzen machen. Anfangs kann man den Jungfiffi gern auch manuell in die gewünschte Lage bringen. Ich vergessen: Lob und Leckerchen müssen innerhalb von zwei Sekunden erfolgen, soll sich der Schüler die Sache einprägen. Wer Gesten bevorzugt, greift zum Zeigefinger und richtet den zu Boden. Diese Übung gehört zum absoluten Basisrepertoire - ein Hund, der sie nicht beherrscht, ist a) gefährdet, b) nervig und macht c) auch sonst, was er will.
Das Platzen lassen ist ausbaufähig durch den Befehl “Bleib!”. Der bedeutet… natürlich: Hundi soll in Platzposition verharren, egal, was passiert, und wo seine Vorgesetzten sich hinbewegen. Gerade halbwüchsigen Fellträgern fällt das schwer, weil sie entweder dicht bei ihren menschlichen Partner sein wollen oder, im Gegenteil, ihrer Wege gehen möchten. Deshalb kann man “Bleib!” gar nicht oft genug üben. Jeder leinenfreie Spaziergang bietet sich an. Man lässt den Köter ablegen, sagt “Bleib!” und entfernt sich (mit dem Rücken zum Hund!) um mindestens zwanzig Schritte vom platzenden Hasso. Dann dreht man sich um und ruft “Komm!”.
Kommt der Hund, ist es gut, und er wird gelobt. Kommt er nicht, wird er ignoriert. Ganz grundsätzlich: Es ist vollkommen sinnlos, einen Vierbeiner zu beschimpfen, wenn er dem Befehl nicht korrekt gefolgt ist. Vollends bescheuert sind Versuche, ihm sein Fehlverhalten zu erklären. Da er ja auch nicht etwas getan hat, was er nicht soll, hilft das üblichen “Aus!” oder “Nein!” nicht weiter. Ignorieren ist dem Hündchen Strafe genug. Die passende Geste zum Bleiben machen ist übrigens die erhobene Handfläche.
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