Beitrag von Mirko Müller, 12.06.2008, 09:24
ENUM – Eine Nummer für alle Dienste; zumindest in der Theorie
Hier und da werden Sie beim Internet-Telefonieren auf den Begriff ENUM oder “Telephone Number Mapping” stoßen. Dahinter verbirgt sich ein Verfahren, um die Kommunikation - nicht nur per Telefon - zu vereinfachen.
Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis spielt ENUM bislang kaum eine Rolle. Das liegt daran, dass die Beteiligten sich nicht über die Kosten einigen können. Somit verkümmert die schöne Idee ENUM zu einem reinen Internet-Telefon-Telefonverzeichnis - das zudem kaum Verwendung findet. Aber alles der Reihe nach.
Wozu ENUM gut ist
ENUM soll das Kommunizieren einfacher machen. Das wichtigste Ziel von ENUM: Alle Kommunikationsarten wie Internet-Telefon, Festnetz, Handy und sogar E-Mail unter ein und derselben Telefonnummer zugänglich machen. Das kann dann zum Beispiel folgendermaßen aussehen:
1. Nach Eingabe eine Rufnummer, für die ENUM-Informationen verfügbar sind, wird der Anruf zunächst auf einen Festnetzanschluss geschaltet.
2. Sollte dort niemand abnehmen, erfolgt automatisch eine Weiterleitung die eingetragene Handynummer.
3. Sollte auch hier keine Verbindung zustande kommen, könnte die Nachricht als Audiodatei aufgezeichnet an eine E-Mail-Adresse gesandt werden.
4. Alternativ hierzu ist auch der Abruf einer Webseite möglich, die dann Auskunft über weitere Kommunikationsmöglichkeiten liefert.
Der Vorteil von ENUM liegt auf der Hand: Sie müssen sich statt einer Vielzahl von Rufnummern für die verschiedenen Anwendungen nur noch eine einzige Telefonnummer merken. Egal, ob fürs Handy, Festnetz oder Internet-Telefon. Das gilt auch für ein eingehendes Fax, das automatisch auf das richtige Endgerät geleitet wird. Die Zuordnung zu den jeweils passenden Telefonen übernehmen die Einträge in der ENUM-Datenbank. Dort steht genau drin, was beim Anruf einer Nummer in welcher Reihenfolge passieren soll; wie in einem Drehbuch.
Technisch passiert bei ENUM folgendes: Bei einem ENUM-Provider registrieren Sie Ihre Haupt-Telefonnummer als ENUM-Nummer. Die sind dann aus wie eine Internetadresse, jedoch in umgekehrter Ziffernreihenfolge und mit der Endung “e164.arpa”.
Aus der Münchener Rufnummer +49-89-1234567 wird dann beispielsweise die ENUM-Adresse
7.6.5.4.3.2.1.9.8.9.4.e164.arpa
Die entsprechende ENUM-Domain kann dabei nur vom Inhaber der betreffenden Rufnummer angemeldet werden.
Stellt sich die Frage, wieso Rufnummern zum Einsatz kommen, wo es sich doch um eine Internet-Adresse handelt und sich Namen leichter merken lassen als Nummern. Die Frage ist berechtigt. Der Grund: Das Telefonsystem ist bereits mehrere Jahrzehnte alt und es hat sich bewährt. Zudem sind auf vielen mobilen Endgeräten wie Handys lediglich Zifferntasten und keine kompletten Tastaturen vorhanden. Die Eingabe einer Ziffernfolge geht hier schneller vonstatten als das Eintippen eines langen Domainnamens. Daher Ziffern statt Buchstaben oder Namen.
Warum ENUM noch nicht richtig funktioniert
Die schöne neue ENUM-Welt hört sich viel versprechend an, ist aber Utopie. Derzeit können sich die Anbieter - zumeist die Telefongesellschaften - nicht einigen, wie die Kosten verteilt werden. Schließlich fallen je nach eingerichteter ENUM-Regel unterschiedliche Kosten an; die Weiterleitung auf ein Faxgerät ist günstiger als aufs Handy.
Eine weitere Hürde: Das Anmelden und Einrichten der eigenen ENUM-Nummer ist mit viel Aufwand verbunden. Zudem bieten nur wenige Provider die Registrierung der eigenen ENUM-Nummer an. Eine Übersicht der Provider, bei denen Sie - leider kostenpflichtig - eine eigene ENUM-Domain beantragen können, finden Sie auf der Webseite
http://www.denic.de/de/enum/mitgliederliste-enum/enum.jsp
ENUM in der Praxis
ENUM ist von dem Ziel, auf der Visitenkarte nur noch eine einzige Rufnummer anzugeben, um darüber via Festnetz, VoIP, Fax und Handy erreichbar zu sein, weit entfernt.
Ein wichtiges und häufig genutztes Einsatzgebiet bleibt aber trotzdem: Die Internet-Telefonie. In der Praxis hat sich ENUM zumindest als globales Verzeichnis der Internet-Telefonnummern entwickelt. Und das ist gut so. Denn dank ENUM finden Sie leicht heraus, ob eine gewählte Rufnummer eine Internet-Telefonnumer oder eine Festnetznummer ist.
Das ist wichtig für die Kosten des Gesprächs. Denn wenn Sie von Ihrem VoIP-Telefon aus eine Festnetznummer anrufen, entstehen durch den Übergang zum Festnetz stets Gebühren. Anders bei reinen VoIP-Gesprächen: Telefonate zwischen zwei VoIP-Telefonen sind kostenlos.
Das Problem: Nur anhand der Rufnummer lässt sich oft nicht erkennen, ob es sich um einen Internet- oder eine Festnetznummer handelt. VoIP-Rufnummern sehen genau so aus wie normale Festnetznummern.
Und genau hier betritt ENUM die Bühne. Bei vielen VoIP-Anbietern können Sie vor dem automatisch eine ENUM-Abfrage durchführen. Der VoIP-Anbieter schaut auf dem ENUM-Server nach, ob es sich bei der gewählten Rufnummer eventuell um ein Internet-Telefon handelt. Falls ja, leitet er es kostenlos über das Internet weiter; das Gespräch kostet dann keinen Cent. Nur wenn die gewählte Nummer nicht auf dem ENUM-Server vermerkt ist oder sie dort tatsächlich als Festnetznummer eingetragen ist, geht es kostenpflichtig ins Festnetz. Sehr praktisch und Kosten sparend.
Damit das funktioniert, muss Ihr VoIP-Anbieter die Abfrage der ENUM-Datenbank erlauben. Bei einigen Anbietern - wie dus.net - können Sie selbst bestimmen, ob und bei welchen ENUM-Datenbanken die Prüfung erfolgen soll.
Die Abfrage der ENUM-Datenbank übernimmt der VoIP-Anbieter auf Wunsch für Sie vor jedem Gespräch. Sie können aber auch selbst nachschauen. Über die Webseite http://www.enum-center.de können Sie rechts im Bereich ENUM-Lookup selbst prüfen, ob die gewünschte Nummer bei ENUM hinterlegt ist.
Als Fazit in Sachen ENUM bleibt: Bei der Internet-Telefonie können Sie ENUM nutzen, müssen es aber nicht. Und wer es nicht benutzt, verpasst zurzeit nicht viel. Denn noch steckt ENUM in den Kinderschuhen und wird kaum ernsthaft genutzt.
Themen: E-Mail Abo | Internet
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