Beitrag von Global Press, 10.04.2007, 14:34
Energie F&E: Interkontinentales Ökostromnetz machbar
“Die viel debattierten Vermeidungskosten zur Eindämmung des Klimawandels könnten sich bei geschickter Nutzung der regenerativen Energien sogar als wirtschaftliche Vermeidungsgewinne entpuppen.” Diese Ansicht vertritt Dr.-Ing. Gregor Czisch. Die Vision des Kasseler Wissenschaftlers: Ein Stromnetz über ganz Europa, aber auch zu den Nachbarn in Afrika und Asien, könnte die Quellen der regenerativen und teils dezentralen Stromerzeugung miteinander verbinden und den Strombedarf in Europa decken. Eingespeist würde der regenerative Strom , der dort erzeugt würde, wo es grundsätzlich oder saisonal am besten sei - etwa Windenergie in Nordeuropa, Solarstrom in der Sahara oder Biomasse in Zentraleuropa. So ließen sich Strom großräumig von Norwegen bis Nordafrika, von Asien bis Andorra, durch regenerative Energie erzeugen, alles miteinander verbinden und damit auch die Schwankungen bei Wind und Sonne ausgleichen. “Das ist technisch bereits möglich und volkswirtschaftlich längerfristig voraussichtlich sogar günstiger als die konventionelle Stromversorgung”, so Czisch. So stünden die Solar- und Windkraftwerke ebenso wie die Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) zur Verfügung. Die HGÜ werde bereits seit Jahrzehnten auf allen Kontinenten genutzt, meist um Strom aus Wasserkraft ohne große Verluste in entfernte Verbrauchszentren zu leiten.
Czisch hat in seiner Doktorarbeit “Szenarien zur zukünftigen Stromversorgung, kostenoptimierte Variationen zur Versorgung Europas und seiner Nachbarn mit Strom aus erneuerbaren Energien” für eine Region mit etwa 1,1 Milliarden Einwohnern und einem Stromverbrauch von knapp 4.000 Terawattstunden pro Jahr untersucht. Eine wesentliche Aufgabe der Politik sieht er darin, die internationale Kooperation zu organisieren und Instrumente für eine Umgestaltung der Stromversorgung zu entwickeln. Dabei ergäben sich nicht nur ein sinnvoller Weg zu einer CO2-neutralen Stromversorgung, sondern auch ausgezeichnete Entwicklungsperspektiven für die ärmeren Nachbarstaaten der EU und Europas. Die Ergebnisse ließen sich zudem - angepasst an die jeweiligen Besonderheiten - auch auf andere Weltregionen übertragen. (Helga Bodenstab/en-wid)
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