home   über uns   kontakt   impressum   login   registrieren

Literatur und Bücher


Beitrag von Pia Helfferich, 17.01.2008, 00:05

Die schönsten Texte für schlaflose Nächte

Die befreundeten Feinde F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway haben beide über das Thema Schlaflosigkeit geschrieben. Heraus kamen Texte, die symptomatisch sind für das, wofür die beiden jeweils stehen. Darüber hinaus bieten sie einen Geleitschutz durch die einsamsten Stunden der Nacht.

Hemingway verfasste die Kurzgeschichte „When I lay me“ (dt.: “Müde bin ich, geh zur Ruh“), in der der Soldat Nick im Ersten Weltkrieg in Italien auf einem Strohlager liegt und den Seidenraupen beim Fressen zuhört. Seit einer Verwundung kann er im Dunkeln nicht mehr schlafen, da er das Gefühl hat, im Moment des Einschlafens führe seine Seele aus seinem Körper. Zum Zeitvertreib entwickelte er verschiedene Gedankenspiele wie etwa das Abfischen sämtlicher Ströme, in denen er jemals geangelt hatte. Er beschwört Erinnerungen an seine Kindheit, die der Leser auch als Hemingways eigene Kindheitserinnerungen verstehen darf, wie Quellen belegen. Nick ist eine typische Hemingway-Figur: eine Art sensibler Stoiker, der sich hinter einer Mauer von Wortkargheit verbirgt und den toughen Typen mimt.

Scott Fitzgeralds Essay „Schlafen und Wachsein“ schildert seine Schlaflosigkeit als existenzielles Problem, das mit einer Stechmücke begann und nun sein Leben beherrscht. Meisterhaft lässt er die ironische Darstellung seiner erfolglosen Mückenjagd hinübergleiten in die tiefe Melancholie eines Mannes, der sich nachts mit dem ganzen Elend seines Daseins konfrontiert sieht. „In the real dark night of the soul it is always three o’clock in the morning, day after day”, schrieb Fitzgeralds einmal an anderer Stelle.

Ernest Hemingway: Müde bin ich, geh zur Ruh. In: Männer ohne Frauen. Rowohlt.

F. Scott Fitzgerald: Schlafen und Wachsein. In: Tintenfass, Nr. 22. Diogenes.

(0) Kommentare | Permalink | Newsletter abonnieren
Themen: E-Mail Abo | Literatur und Bücher | Von A-Z
Tags: | Depression | einschlafen | Essay | Fitzgerald | Hemingway | Kurzgeschichte | Melancholie | Nacht | Schlaf | Schlaflosigkeit