Beitrag von Pia Helfferich, 13.08.2008, 15:54
Die Manessische Liederhandschrift – Mittelhochdeutsche Literatur online
Heutige Diskussionen um einen literarischen Kanon oder Literaturgeschichten sind ein alter Hut, denn schon um ca. 1300 hat jemand, eventuell Rüdiger Manesse der Ältere, was jedoch nicht zu beweisen ist, damit begonnen, eine Sammlung von Liedern, Leichs (Lieder mit unregelmäßigem Strophenumfang und –bau) und Sangsprüchen zusammenzustellen. Diese überaus kostbare Handschrift ist unter den Namen Codex Manesse, Manessische Handschrift oder auch Große Heidelberger Liederhandschrift bekannt und befindet sich heute, nach einer langen Reise, in der Universitätsbibliothek in Heidelberg.
140 Dichter wurden gesammelt. Der Älteste unter ihnen ist der Kürenberger (lebte Mitte des 12. Jahrhunderts, „Falkenlied“), die jüngsten der Werke stammen von Hadloub, der eventuell auch an der Entstehung der Sammlung beteiligt war. Dass man Wert darauf legte, Vollständigkeit zu erzielen ist auch daran abzulesen, dass Platz gelassen wurde für weitere Dichter und Werke, die man später einfügen wollte.
Seite für Seite bewundern kann man die Handschrift online. Die Pergamentblätter und die – idealisierten – Miniaturen der Dichter lassen sich nicht nur betrachten, sondern auch ausdrucken. Ob man den mittelhochdeutschen Text in gotischer Buchschrift entziffern kann, ist eine andere Frage. Beeindruckend ist er trotzdem.
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