Beitrag von Gisela Behrendt, 22.01.2009, 09:09
Der Text meines Herzens - Biografie der Rahel Varnhagen
Wer käme nicht angesichts des Valentinstags, dem Tag der Verliebten und der Liebenden, auf das symbolträchtige Thema „Herz“? In diesem Zusammenhang erweist sich Carolas Sterns Biografie über das Leben der Rahel Varnhagen als wahre Fundgrube.
In dem Buch stehen Briefe im Mittelpunkt, nämlich die der Rahel Varnhagen, eine der bedeutendsten Frauen des frühen 19. Jahrhunderts. Sie unterhielt in Berlin einen berühmten literarischen Salon und hinterließ eine unendliche Fülle von 6000 Briefen und Tagebüchern und erschuf damit eine neue literarische Gattung.
Ihr späterer Gatte Karl August Varnhagen sammelte und veröffentliche ihre Werke. Sie bildeten die Grundlage für die Journalistin Carola Stern, die ihr Buch unter dem wunderschönen Titel „Der Text meines Herzens“ veröffentlichte.
Wer war diese Rahel Varnhagen von Ense? Sie wurde als Jüdin Rahel Levin in Berlin 1771 geboren und starb 1833. Obwohl ihre Familie zu den Privilegierten gehörte, war es ihr als Mädchen nicht vergönnt, in Höheren Schulen oder Universitäten zu lernen und zu studieren.
Dennoch gelingt es ihr im Zeitalter der Aufklärung getreu Lessings Motto: „Auf das Selbstdenken kommt es an“ mit Besuchern am Teetisch, deren Namen wir alle heute kennen – nämlich Hegel, Goethe, von Ranke, den Humboldts, Heine, Bettine von Arnim oder Prinz Louis Ferdinand von Preußen - über Literatur, Kunst, Philosophie, Theater und auch später Politik zu diskutieren. In ihren literarischen Salons gab es keine Standesunterschiede oder gar religiöse Gegensätze – hier kam es nur auf Witz und Verstand an. Ihr Ideal der Geselligkeit förderte – wir würden heute sagen: die Emanzipation. Heinrich Heine bezeichnete sie 1826 als „geistreichste Frau der Nation“.
Gleichzeitig war ihr Leben eine immerwährende Suche nach Heimat, Freundschaft und Liebe, wovon Rahels Liebesbeziehungen Zeugnis ablegen. Sie entsprach weder dem gängigen Schönheitsideal und als Intellektuelle schon gar nicht dem vorherrschenden Frauenbild. Das lässt schon Schwierigkeiten in Liebesdingen erahnen.
Rahel erlebte alle Facetten, die Liebe so bieten kann. Der Text ihres Herzens ist rasend, erotisch, leidenschaftlich, platonisch, huldigend, hinhaltend, erzählt von Stunden des vollkommenen Glücks, der Glut der Empfindungen, den kleinen magischen Momenten, Zärtlichkeit und Zauber, der Anbetung des Geliebten, seinem Verrat, der Brutalität von Worten, Beleidigungen, Heuchelei, Leiden, Eifersucht, Zorn, Einsamkeit, Inhaltsleere und Verzweiflung.
Rahels erste Liebesbeziehungen, die mit Karl Graf von Finckenstein und dem Spanier Don Raphael d`Urquijo, verlaufen unglücklich. Sie suchte – ganz im Sinne des Zeitalters der Romantik - die romantische Liebe, die in einer Ehe endet. Oder bildhaft ausgedrückt: „Den Text ihren Herzens.“ Es gab viele Liasons in ihrem Leben: mit dem Hamburger Kaufmann Bokelmann, Gualtieri, Burgsdorff oder auch Gentz. 1814 ehelichte sie nach weiteren unglücklichen Lieben im Alter von 43 Jahren den 14 Jahre jüngeren Karl August Varnhagen, ihren lebenslangen Freund und Geliebten.
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