Beitrag von Pia Helfferich, 22.11.2008, 22:31
Briefe und E-Mails schreiben mit Stil
Zu wissen, was man schreiben möchte, ist schon mal gut, dann muss man diese Idee nur noch in die richtige Form gießen und die passenden Wörter wählen. Beim Schreiben von Briefen, genau wie bei E-Mails gibt es ein paar Regeln, die das gekonnte Formulieren erleichtern:
Gewählte Hochsprache
Der richtige Mittelweg zwischen einer zu gewählten Schriftsprache und schnodderigem Umgangsdeutsch ist die gewählte Hochsprache. So höflich und gewählt, wie man beispielsweise Fremden begegnet, kann man sich auch im Brief ausdrücken.
Passiv vermeiden
Passivkonstruktionen sind umständlich, klingen bürokratisch und sind mitunter sogar schwierig zu verstehen. Statt „Die Teilnehmer werden gebeten sich ab 19 Uhr bereitzuhalten.“ klingt es viel freundlicher zu schreiben „Wir bitten die Teilnehmer sich ab 9 Uhr bereitzuhalten.“
Kurze Sätze
Telegrammstil ist nicht notwendig, kurz sollten die Sätze jedoch trotzdem sein. Ideal klingen sie, wenn sie dem natürlichen Sprechrhythmus folgen. Man liest sich den Text am besten einmal laut vor, dann fällt es auf, ob ein Satz zu lang ist. Ebenso kann man auf diesem Weg auch spüren, ob zwei ganz kurze Sätze nicht weicher klingen, wenn sie durch ein Komma zu Haupt- und Nebensatz verbunden werden.
Ausrufungszeichen meiden
Mit Ausrufungszeichen sollte man sehr, sehr sparsam umgehen! Sie wirken autoritär, rüffelnd und im Rudel auftretend wirken sie überhaupt nicht mehr.
Füllwörter weglassen
Texte lassen sich deutlich verschlanken, indem man alle Füllwörter weglässt, also solche Wörter, die keine eigene Bedeutung haben. Etwa, eigentlich, ganz, überhaupt … es gibt viele von ihnen. Streicht man sie, verliert der Satz nichts von seiner Bedeutung, wird aber kürzer und klingt weniger umgangssprachlich.
Verb statt Substantiv
Die häufige Verwendung von Substantiven bringt einen Stil hervor, den man als Beamtendeutsch oder Kanzleideutsch bezeichnet. Wortungetüme wie „Inanspruchnahme“ oder „Nichtbefolgung“ möchte keiner Lesen, wenn man doch auch problemlos „in Anspruch nehmen“ und „nicht befolgen“ schreiben kann. Wann immer man ein Substantiv durch ein Verb ersetzen kann, sollte man das tun.
Abwechslungsreiche Satzanfänge
Sätze sollten möglichst nicht immer mit demselben Wort anfangen. „Wir weisen darauf hin … Wir bitten sie … Wir bedanken uns …“ Allerdings ist es wichtiger, einen Text natürlich klingen zu lassen. Man braucht nicht einen Satz schauderhaft zu verdrehen, nur um ein Wort, das noch nicht dran war, nach vorne zu bugsieren.
Nicht immer Ich
Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Sätzen, die mit „Ich“ anfangen. Sie hinterlassen einen unschönen Eindruck, wenn sie zu oft auftreten.
Vorsicht bei Fremdwörtern
Fremdwörter sind mit Vorsicht zu genießen. Schnell kann es so klingen, als wollte der Schreiber nur mit seinem Wortschatz protzen, schnell schwingt Arroganz im Windschatten des Fremdwortes mit. Sollte es sich um ein Wort handeln, das bereits in der deutschen Sprache so integriert ist, dass man es kaum als Fremdwort wahrnimmt, kann man es problemlos verwenden, auch Fachsprache ist unbedenklich. Ansonsten gilt: Der schlichtere Ausdruck ist der bessere.
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