Beitrag von Global Press, 29.08.2010, 11:20
Ausgerottete Krankheiten: Sicherheit für alle
Bei den Pocken ist es gelungen: Sie gelten laut der Weltgesundheitsorganisation WHO seit 1980 weltweit als ausgerottet. Andere Erkrankungen wie die Kinderlähmung (Poliomyelitis), Masern oder Malaria sind nur in einigen Teilen der Welt nicht mehr anzutreffen. Wichtige Voraussetzung für solche Erfolge ist das gesundheitsbewusste Verhalten großer Bevölkerungsgruppen. Das zeigt sich deutlich am Beispiel der Masern.
Ziel der WHO war es, diese Kinderkrankheit, die in Skandinavien, auf dem amerikanischen Kontinent und in Australien nicht mehr vorkommt, bis 2010 auch in Deutschland auszurotten. Doch dazu muss eine Impfquote von 95 Prozent bezogen auf die beiden von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Immunisierungen im Kindesalter erreicht werden. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) liegt der Wert je nach Bundesland derzeit nur zwischen 85 Prozent und 94 Prozent. Daher flackert die Kinderkrankheit hierzulande immer wieder auf. Allein in den ersten 15 Wochen des Jahres 2010 sind in Deutschland 219 Personen an Masern erkrankt, 35 von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Im vergangenen Jahr kam es zu einem Masernausbruch in Hamburg, dessen Ursprung bis nach Bulgarien zurückverfolgt werden konnte. Dort erkrankten seitdem 14 000 Menschen, von denen 18 Patienten starben. Ausgehend von diesem Herd wurde die Erkrankung in andere europäische Länder - darunter Deutschland - exportiert.
Am Beispiel der Masernerkrankung wird deutlich, dass sich im Zeitalter der Globalisierung Krankheiten rasch über Landesgrenzen hinweg ausbreiten. Daher ist es wichtig, dass sich Reisende gegen Infektionen schützen, die in ihrem Heimatland zwar selten, im Gastland hingegen oft noch weit verbreitet sind. Welche Impfungen in welchem Land sinnvoll sind, erfahrend Reisende auf den Internetseiten des Tropeninstituts (http://tropeninstitut.de/impfung/index.php), bei Reisemedizinern oder ihrer Krankenkasse. Mit einer Impfung und gesundheitsbewusstem Verhalten schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Freunde und Angehörigen. Denn kehrt ein Urlauber krank zurück, kann er die Infektion an ungeschützte Menschen in seiner Heimat geben.
In diesem Fall zeigt sich der Vorteil einer hohen Impfrate, denn geimpfte Menschen erkranken nicht. Trifft der Betroffene doch auf eine ungeimpfte Person, die sich infiziert hat, bleibt es bei einem oder wenigen Krankheitsfällen. Eine Masseninfektion, wie sie bei der Masernepidemie 2006 in Nordrhein-Westfalen auftrat, bleibt aus. Damals sind 1 700 Menschen erkrankt, 15 Prozent davon so schwer, dass sie ins Krankenhaus mussten, zwei Kinder sind an erkrankungsbedingten Komplikationen gestorben. Ein umfassender Impfschutz ist daher nicht nur für den Einzelnen von Bedeutung. Welche Impfungen in Deutschland wichtig sind, zeigen die Impfempfehlungen der STIKO. Die hier genannten Impfungen und Auffrischungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Diese Vorsorgemaßnahmen zu nutzen, ist ein Beitrag dazu, schwere Erkrankungen endgültig auszurotten oder einzudämmen. Auf der Liste der WHO stehen hier noch Poliomyelitis (Kinderlähmung) und Malaria. Kinderlähmung kommt dank umfassender Impfprogramme laut WHO auf dem amerikanischen Kontinent, in Europa und der Westpazifik-Region nicht mehr vor; in Nigeria, Indien, Pakistan und Afghanistan ist sie jedoch noch verbreitet.
Die Malaria ist dagegen noch weiter verbreitet. Sie ist in über 100 Ländern in Afrika, auf dem amerikanischen Kontinent, im östlichen Mittelmeergebiet, in Süd-Ost-Asien und der Westpazifik-Region anzutreffen. Schutz gegen diese durch Stechmücken übertragene Erkrankung bietet keine Impfung, sondern gesundheitsbewusstes Verhalten: Es gilt Mückenstichen durch den Einsatz von Moskitonetzen, angepasster Kleidung, Bissschutzmitteln und Insektenschutz in den Gebäuden vorzubeugen. Mit diesen Maßnahmen konnte die Krankheit in Australien, den USA und Europa wirkungsvoll bekämpft werden. In den genannten Ländern gilt sie seit 1950 als ausgerottet.
Von dem Ziel, dies weltweit zu schaffen, hat sich die WHO allerdings in den 1970er-Jahren verabschiedet. Nun begnügt sie sich damit, das Vorkommen zu kontrollieren und einzudämmen. Dazu braucht sie die Unterstützung möglichst vieler Menschen - in den betroffenen Gebieten, aber auch dort, wo das Ziel der Ausrottung bereits erreicht ist. Sonst flackert eine scheinbar besiegte Seuche plötzlich wieder auf. Barbara Kluge/mp (Barbara Kluge/mp)
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Global Press, Gesundheit, Medizin, Impfung, Polio, Malaria, Masern
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