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Kommunikation


Beitrag von Karin Mager, 25.02.2008, 13:10

Ausdrücken von Gefühlen: Der Ich-fühle-mich-Irrtum

Gefühle ausdrücken? Ein schwieriges Thema, zu dem es viel zu sagen gibt. Nicht immer ist es ratsam, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Doch in Konfliktsituationen werden wir uns kaum verkneifen können, unseren Ärger auszudrücken. Und in unseren nahen Beziehungen kann das Ausdrücken von Gefühlen sehr miteinander verbinden. Allerdings nur, wenn wir ein weit verbreitetes und folgenreiches Missverständnis vermeiden. Oft sind wir nämlich überzeugt, von unserem Gefühl zu sprechen, während wir tatsächlich unser Gegenüber massiv beschuldigen und abwerten.

Beispiele:
- “Ich fühle mich gedemütigt, wenn du deine Witze immer auf meine Kosten machst.”
- “Mein Gefühl ist, dass du nur auf deinen Vorteil bedacht bist.”
- “Ich fühle mich von dir in die Enge getrieben.”

Wer glaubt nicht im ersten Moment, dass hier von Gefühlen die Rede ist? Leider handelt es sich aber um abwertende Du-Botschaften, in denen wir nichts von uns verraten. Unser Ärger kann zwar ohne weiteres “erspürt” werden. Doch der indirekte Ausdruck unseres Gefühls in Form eines Vorwurfs an den anderen wird bei unserem Gegenüber nicht zu mehr Verständnis für uns führen, sondern Ärger und Ablehnung provozieren. Rechtfertigung, Widerrede und eine Eskalation der Meinungsverschiedenheit sind die zwangsläufige Folge. Das Vertrackte ist, die meisten Menschen sind ratlos, wie sie diese Aussagen anders formulieren könnten.

Wie können wir unseren Ärger so ausdrücken, dass unser Gegenüber versteht, weshalb wir ärgerlich sind und gleichzeitig offen bleibt für ein Gespräch?

Die Zauberformel heißt, die eigene Wahrnehmung und meine Bedürfnisse ausdrücken und in Ich-Aussagen sprechen:
Was nehme ich wahr? Worauf genau begründet sich mein Gefühl? Worüber bin ich frustriert? Und vor allem: Was wünsche ich mir? Welches Bedürfnis habe ich?

Versuchen wir es also mal mit einer Übersetzung.

Du-Botschaft: “Ich fühle mich gedemütigt, wenn du deine Witze immer auf meine Kosten machst.”
Ich-Aussage: “Du hast gestern beim Essen mit unseren Freunden Witze erzählt und dabei Anspielungen über mich gemacht. Ich habe mich darüber sehr geärgert. Ich möchte bei unseren Freunden nicht als humorloser Mensch dargestellt werden.”

Du-Botschaft: “Mein Gefühl ist, dass du nur auf deinen Vorteil bedacht bist.”
Ich-Aussage: “Ich bin mit der momentanen Regelung unserer gemeinsamen Haushaltskasse unzufrieden, weil… Ich möchte gern eine andere Regelung.”

Du-Botschaft: “Ich fühle mich von dir in die Enge getrieben.”
Ich-Aussage: “Ich fühle mich sehr unwohl, wenn wir so wie eben miteinander reden und uns nicht ausreden lassen. Du sagst, du hättest keine Lust auf lange Diskussionen. Ich meine jedoch, wir brauchen für die Punkte, die wir miteinander klären wollen, etwas Zeit. Ich möchte gern mit dir einen Termin vereinbaren, um mit mehr Ruhe über die Sache reden zu können.”I

Auffallend ist bei allen Ich-Aussagen: Wir brauchen in der Regel mehr Worte, um unserem Gesprächspartner klarzumachen, was uns wichtig ist. Du-Botschaften, auch in Form von vertrackten Gefühlsaussagen, sind einseitige Schuldzuweisungen. Sie gehen uns schnell von der Zunge. Um uns tatsächlich mit unseren Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühlen auszudrücken, müssen wir uns mehr Zeit nehmen. Wie wir unseren Streitpartner dazu bringen, sich diese Zeit mit uns zu nehmen, ist Thema eines späteren Ratschlags.

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Themen: E-Mail Abo | Partnerschaft
Tags: Gefühle ausdrücken | Konflikte | Konfliktgespräche | Miteinander reden | Paargespräch | Partnerschaft



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